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Wissenschaft in der Pflegepraxis (WiPP)

Wissenschaft in der Pflegepraxis, kurz WiPP, heißt das Projekt, zu dem sich fünf Bachelorstudiengänge für Pflege aus dem deutschsprachigen Bereich und der Elsevier-Verlag zusammengeschlossen haben, um pflegewissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis zu verbreiten. Hierzu wurde bei plus im Web eine Datenbank eingerichtet, in der Bachelorarbeiten und deren Zusammenfassung zu Fragen aus der Pflegepraxis veröffentlicht werden. Die Themen der Arbeiten beziehen sich sowohl auf die Grundpflege als auch auf die spezielle Pflege und sind nach den Kapiteln des Lehrbuchs „Pflege heute“ geordnet.
 

Warum WiPP?
Pflegerische Praxis sollte auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Das Finden von Forschungsergebnissen ist jedoch nicht unproblematisch. Es setzt einen Zugang zu wissenschaftlichen Datenbanken sowie Zeit und Erfahrung voraus. Studien müssen zudem kritisch betrachtet werden. Nicht jedes Forschungsergebnis ist unbesehen vertrauenswürdig. In der Praxis fehlen vielerorts noch die personellen Ressourcen, um die Qualität von Studien einzuschätzen. Ein Weg zur wissenschaftlichen Fundierung der pflegerischen Praxis bestand daher bislang in der Gründung von Expertenkomitees, die nationale Standards oder internationale Leitlinien erarbeiteten. Deren aufwendige Entwicklung machte eine Begrenzung auf praktische Problemstellungen notwendig, die sich in erster Linie nach der Häufigkeit ihres Vorkommens in der Pflegepraxis richtete.


In der Praxis sind Pflegende jedoch mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert, zu deren Lösung stets mehrere pflegerische Maßnahmen zur Verfügung stehen. Daraus ergibt sich das Problem, für welche Maßnahme sie sich entschieden sollen. Die zentrale Frage lautet: Was ist wirklich effektiv? Hilft zum Beispiel die Lippenbremse bei PatientInnen mit COPD gegen Atemnot? Oder fördert medizinischer Honig die Heilung chronischer Wunden? Oder reduziert Snoezelen die Agitation bei Demenz? Die Liste der Fragen ließe sich beliebig lang fortsetzen. Ihre Auswahl verdeutlicht vor allem eins: Expertenstandards und Leitlinien – so nützlich sie auch sind – können angesichts der Vielzahl der Fragen keine erschöpfende Antwort bieten.


Eine für die Praxis ebenso wichtige Frage besteht zudem darin, wie PatientInnen eine Erkrankung bzw. eine Behandlungs- oder Betreuungssituation erleben, und welche Konsequenzen sich daraus Erleben für den Umgang mit ihnen ergeben. Schließlich kann Pflege nicht einseitig die Effektivität von Maßnahmen betrachten, ohne zu fragen, wie es den Betroffenen ergeht, die mit diesen behandelt werden. Pflege ist stets ein Dialog- und Verständigungsprozess. Woran also kann sich das Pflegepersonal orientieren, um ein Verständnis für Kranke und Pflegebedürftige zu gewinnen, deren Situation es nicht aus eigener Erfahrung kennt?


Pflegewissenschaftliche Forschung hat Antworten auf diese Fragen zu bieten - wenn ihre Ergebnisse an die Praxis vermittelt werden. AbsolventInnen der Bachelorstudiengänge für Pflege können hierzu einen Beitrag leisten. Ziel einer akademischen Ausbildung ist es schließlich, nicht allein vorhandene Maßnahmen für die Praxis an die Lernenden zu vermitteln, sondern diese dazu zu befähigen, die Nützlichkeit solcher Maßnahmen zu beurteilen. Im Rahmen eines Studiums werden somit auch die Fähigkeit zur Literaturrecherche und Studienbewertung erworben. Im Rahmen von Bachelorarbeiten sind die Studierenden aufgefordert, diese Fähigkeit unter Beweis zu stellen und eine für die Praxis relevante Frage auf der Grundlage pflegewissenschaftlicher Forschung zu beantworten. Das Resultat ist gewissermaßen ihr „Gesellenstück“. Warum also nicht diese Ressource für eine Verbreitung von forschungsbasierter Pflegepraxis nutzen? Im Rahmen des WiPP-Projekts werden daher Pflegenden und Auszubildenden gelungene Bachelorarbeiten zugänglich gemacht – einerseits in einer auch dem wissenschaftlichen Laien verständlichen Zusammenfassung, andererseits in vollständiger Fassung, um wissenschaftlich interessierten LeserInnen das methodische Vorgehen und die Hintergründe zu verdeutlichen, die zu einem bestimmten Ergebnis führten. Die thematischen Schwerpunkte der WiPP-Datenbank bestehen dabei einerseits in der Untersuchung der Wirksamkeit pflegerischer Maßnahmen, anderseits im Verstehen des Erlebens von Krankheiten bzw. Behandlungs- und Betreuungssituationen.


Die in der Datenbank versammelten Arbeiten werden allerdings die für die Praxis relevanten Fragen nicht erschöpfend beantworten können. Durch die Kooperation von fünf Hochschulen aus dem deutschsprachigen Raum lässt sich zwar im Laufe der Zeit ein breites Spektrum möglicher Fragen abdecken. Es gibt jedoch Fragen, zu deren Beantwortung (noch) keine pflegewissenschaftlichen Studien vorhanden sind. Immer wieder sind auch Studien, die zur Beantwortung einer Frage zur Verfügung stehen, von nur geringer Qualität, so dass die entsprechende Frage (vorerst) unbeantwortet bleiben muss. Die WiPP-Datenbank wird so auch auf die Lücken im gegenwärtigen Wissensstand verweisen. Aber auch dann, wenn es Belege für die Wirksamkeit einer Maßnahme gibt und die Arbeiten eine Empfehlung für die Praxis aussprechen können, gilt: Die Resultate sind immer nur gültig auf Widerruf – solange, bis das neuere und bessere Erkenntnis zu der gleichen Frage zur Verfügung stehen.  Die WiPP-Datenbank verfolgt somit nicht das Ziel, endgültig gesichertes Wissen über die Gesamtheit der pflegerischen Maßnahmen zusammenzutragen. Vielmehr geht es ihr um einen aufgeklärten Diskurs, der es wagt, nach den Gründen für eine Maßnahme zu fragen und sich dabei als ein fortlaufender Prozess des Erkenntnisgewinns begreift.
In diesem Sinne hoffen wir, dass die Nutzer der WiPP-Datenbank sowohl nützliches Wissen für ihre pflegerische Praxis finden als auch dazu angeregt werden, etablierte Praktiken zu hinterfragen und nach neuen Lösungen zu suchen – auch wenn die gewünschten Antworten nicht sofort erhältlich sind sondern einer längeren Suche bedürfen.

Die Arbeitsgruppe WiPP

Folgende Hochschulen arbeiten an diesem Projekt mit:

  • Evangelische Hochschule Berlin

  • Fachhochschule Bern

  • Evangelische Hochschule Nürnberg

  • Fachschule Salzburg GmbH,

    Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege

  • FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften,

    Fachbereich Gesundheit


Download der Bachelorarbeiten

Verloren im System. Das Erleben des Spitalaufenthalts bei Menschen mit Demenz und deren Angehörigen

Poster: Buzzy®- mit Vibration und Kälte den Punktionsschmerz lindern
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Die Bauchlagerung bei ARDS

Poster: Das Erleben Angehöriger und Pflegender bei der Anwendung von freiheitsbeschränkenden Massnahmen
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Poster: Frauen mit Myokardinfarkt - Pflegerische Interventionen zur emotionalen Bewältigung
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Poster: Gewalt an Demenzkranken durch pflegende Angehörige
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Poster: Medikamenten-Adherence nach Nierentransplantation
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Perinataler Kindstod

Poster: Früherkennung einer Posttraumatischen Belastungsstörung im Akutspital
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Poster: Reduktion aggressiven Verhaltens bei Erwachsenen mit erworbener Hirnschädigung
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Poster: Vorgehensweisen zur Risikoeinschätzung von Dekubitus
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